Prema - Bhakti-Yoga

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Prema

Grundlagen
Prema

Wenn der Sthayi-Bhava (siehe unter Bhava-Bhakti) sich verdichtet und zum Enthusiasmus des Liebesbemühens in der Priti die starke persönliche Zugehörigkeit zu Gott hinzukommt, heißt diese Priti „Prema“. Je nach dem Sthayi-Bhava, dem der Bhakta zugehört, sagt er nun zum Höchsten: „mein Herr!“ oder „mein Freund!“ oder „mein geliebtes Kind!“ oder „mein Geliebter!“

Premabhakti ist (zusätzlich zur Samvit-Shakti) die Manifestation der Hladini­-Shakti. Ihr Wesen ist das unendliche Glück des (auch in allen Hindernissen) immer neuen und tieferen Gottdienens, Gotterfreuens und Gottliebens.
Shri Krishna (Gott), dessen eigenes Wesen Prema ist, wird durch die Prema­bhakti, die seine eigene höchste Shakti ist, unwiderstehlich angezogen, ja überwältigt.
Auf allen bisherigen Stufen bestand noch die Möglichkeit des Herabsinkens, der Schwächung oder gar des Verlierens der Bhakti durch engen Umgang mit lustvollen Menschen oder solchen, die bloß Selbsterlösung suchen.1 Doch wenn die „Sonne der Premabhakti“ einmal aufgegangen ist, dann ist sie unverlierbar. Völlig unabhängig davon in welchem Reich der Bhakta wandelt, auf Erden, auf den höllischen Welten der Asuras, im Himmel2 oder in einem der unendlichen Reiche der Ewigkeit, seine Prema bleibt immer völlig unbeschadet. Eine zentrale Eigenschaft der Prema besteht darin, dass sie, trotz aller Ursachen, die sie zerstören könnten, doch unzerstörbar ist.

Jeder der Mitspieler Gottes in seiner Lila hat von Ewigkeit her eine dauernde Form seiner Beziehung zu ihm im liebenden Dienen (Sthayi-Bhava). Der Körper eines solchen Gefährten besteht nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Prema, es ist ein Cit-Körper. Zur Steigerung der ewigen Lila wird ein solcher Begleiter in einer fleischlichen Hülle geboren, ohne seinen Cit-Körper dabei zu verlieren. Er muss auch nicht, wie zum Beispiel der Neuling, seine Sthayi-Bhava erst erwerben. Die besondere Art seiner dienenden erkennenden Liebe und das Wesen seiner Person sind von je her völlig eins.

Es wird berichtet, dass die ewigen Begleiter Gottes zu fünf großen Gruppen gehören; man könnte von fünf konzentrischen Kreisen oder Reigen um das Zentrum allen Seins sprechen:

  1. Shanti-Bhava: Die neutrale Beziehung, die in der Gewissheit, der sie tragenden Liebe Gottes, mit tiefstem göttlichem Frieden erfüllt.
  2. Dasya-Bhava: Die unermüdliche Liebe eines treuen Dieners zu seinem geliebten Herrn.
  3. Sakhya-Bhava: Freundschaftliche oder brüderliche Liebe. In Vraja gehören die jungen Spielkameraden zu dieser Gruppe. Durch göttlichen Einfluss vergessen diese Freunde die allmächtige Position des Herrn, damit die liebenden Gefühle der Freundschaft und Ebenbürtigkeit nicht behindert werden. In Dvaraka würde man Arjuna oder auch Uddhava dazu zählen.
  4. Vatsalya-Bhava: Elterliche Liebe. Krishna offenbart sich als Kind und der Bhakta ist durch göttlichen Einfluss überzeugt, „er ist mein eigenes Kind“, das sie liebend umsorgen. Yashoda und Nanda und auch die Ammen und Nachbarinnen in Vraja, gehören zu diesem Kreis.
  5. Shringara-Bhava: Auch Madhurya-Bhava genannt. Gottesliebe, ähnlich wie eine Ehefrau ihren Mann oder eine Geliebte ihren Geliebten liebt, ohne Absicht für persönliches Glück. Innerhalb dieser Gruppe bilden die Gopis (Kuhhirtenmädchen) in Vraja den intimsten Kreis der Gottliebenden.

Diese fünf Beziehungsarten finden auf einer Ebene der Transzendenz statt, wo alle Beteiligten einen ewigen spirituellen Körper besitzen, frei vom Geist der Ausbeutung, frei von egoistischen Absichten, frei von weltlicher Lust, frei vom Einfluss der Maya.
In jedem der Sthayi-Bhavas, die über dem Bhava des göttlichen Friedens liegen, ist jeweils der Reichtum des liebenden Dienens der früheren Stufen mit eingeschlossen und noch mehr Reichtum (neuer Bhava) der sich hinschenkenden Liebe kommt hinzu.3
Die Premabhakti der Gottgeweihten ist eine Kraft, die stetig Gott anzieht und ihn, der ja überall in seiner Cit-Gestalt ist, nötigt, sich sichtbar zu machen. Welche Gestalt aber macht der Eine, der in vielen Gestalten gleichzeitig spielt, dem Bhakta sichtbar? es ist jene Gestalt, die dem Sthayi-Bhava des Gottgeweihten vollkommen entspricht:

„Der Pfad zu dir und deiner Erkenntnis wird wahrgenommen durch das Hören von dem, was die Schriften (von deiner Lila) berichten. So werden die Herzen der Zuhörer geläutert und du lässt dich dort, in ihrem Herzenslotos, nieder. Du bist deinen Geweihten so barmherzig, dass du dich in der bestimmten ewigen Gestalt manifestierst, in der sie immer an dich denken.“
(Bha 3.9.11)

1 Diese Möglickkeit des Verlustes der Bhakti darf nicht missverstanden werden. Bhakti geht nie wirklich verloren. Sie kann jedoch durch die eigene Weltzugewandtheit in diesem Leben aufgeschoben werden, was die Vollendung der Bhava-bhakti zu Prema sogar auf irgendeinein zukünftiges Leben verzögern kann. In der Bhakti gibt es niemals einen Verlust. Doch es gibt keine wahre Liebe ohne Freiheit. Und es ist diese Freiheit des Atma, welche durch eine zwischenzeitliche erneute Anhaftung ans Weltliche, die Entwicklung der Bhakti bis zu ihrer Vollendung zu Premabhakti, verzögern kann.
Siehe Sri Krishnas Erklärungen gegenüber Arjuna im 6. Kapitel der Bhagavad-Gita.

2 Es gibt mancherlei Arten von Höllen, es sind Welten, in denen der Guna Tamah (Unwissenheit; Dunkelheit) vorherrscht, die Welten der Asuras; ebenso mancherlei Arten von Himmel, es sind Welten verfeinerten Genusses, in denen der lichte Guna Sattva vorherrscht, die Welten der Devas. Doch alle diese Himmel und Höllen gehören zum Bereich des endlosen Kreislaufs der Geburten und Tode; sie sind vergänglich. Hölle ist hier auch nicht gleichzusetzen mit physischem oder psychischen Leid. Im Sinne des Bhagavatam ist das „Gott-abgewandt-sein“ als höllisch zu bezeichnen. Es sind nicht die leid- oder genussvollen Umstände, welche das Höllische oder das Himmlische definieren. Die Asura-Welten (Höllen) werden daher im Bhagavatam auch „die himmlischen Planeten unterhalb der Erde“ genannt, weil sie hohen materiellen Genuss anbieten.
(Siehe hierzu Bhagavatam 5.24.7-31).

3 Neben diesen fünf Bhavas gibt es noch zusätzlich diverse sekundäre Bhavas.
Im Bh.r.s. (dt. Titel: Nektar der Hingabe) sind all diese Bhavas ausführlich erklärt und beschrieben.

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