Das unbekannte Ich - Bhakti-Yoga

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Das unbekannte Ich

Grundlagen
DER MENSCH und sein unbekanntes Ich

Eine neue und doch uralte Art der Selbstbetrachtung
Eine genaue Selbst-Analyse fördert zwei grundsätzlich voneinander verschiedene Wesensmerkmale unserer gegenwärtigen Persönlichkeit zutage:
  1. Die wandelbare Natur von Körper, dem Denken, Fühlen und Wollen, sowie der Intelligenz.
    Die Veränderungen des Körpers sind sehr leicht zu erkennen, man braucht sich nur einmal ein paar alte Fotos anzuschauen. Aber auch das Denken, Fühlen und Wollen (Manah), dessen Funktion darin liegt, angenehme Dinge zu erreichen und unangenehme Dinge fernzuhalten, verändert sich ähnlich dem Körper ständig. Die Intelligenz (Buddhi), deren Funktion darin liegt, aufgrund von Wissen das Manah zu kontrollieren und somit fähig ist, vom Manah als angenehm eingestufte Dinge abzulehnen oder umgekehrt unangenehme Dinge anzunehmen, unterliegt demselben Wechsel.
    Ein kleines Kind ist im allgemeinen mit begrenzter Denkfähigkeit und Intelligenz ausgestattet als ein erwachsener Mensch. Doch selbst das fähigste Manah und die feinste Intelligenz kann durch den Einfluss von Alter (Senilität), Unfall oder Krankheit (z.B. Alzheimer) unter das Mass eines Kleinkindes fallen. Weil Manah und Buddhi wandelbar sind, betrachtet der Mystiker oder Philosoph sie als materiell, ähnlich dem physischen Körper. Der Körper wird also als grobstofflich wandelbare Materie und Manah und Buddhi als feinstofflich wandelbare Materie begriffen.
  2. Die unwandelbare Natur der Identität; der Lebensfunke, das Selbst, das wahre Ich oder die Seele (Atma).
    Unsere innere Identität ist unwandelbar. Ich bin immer Ich. Doch weil das Ich dazu neigt, sich mit Körper, Denken und Fühlen und der Intelligenz zu identifizieren, denkt es, es sei wandelbar und vergänglich. Bei genauer Betrachtung verhält es sich jedoch so, dass sich das wirkliche Ich - unter dem Einfluss der falschen Identifikation mit den Hüllen -, fortlaufend von neuem wieder und immer wieder mit seinen Hüllen abgleicht. Daraus entstehen öfters als gewünscht, die unliebsamen Identitätskrisen.
    In unserem gegenwärtigen Zustand bezieht sich unser Ich-Gefühl auf diese Hüllen, die das Selbst einhüllen. Wenn wir also von Ich sprechen, beziehen wir uns auf die groben und feinen Hüllen, die das unwandelbare Ich oder das Selbst (Atma), wie Unterwäsche und Mantel einkleiden.
    Auf der Grundlage dieses Verständnisses wird auch die Reinkarnation (Seelenwanderung) verstanden. Es heisst, das Ich "wandere" zusammen mit den wandelbaren feinstofflichen Hüllen (Manah und Buddhi) entsprechend seinem Tun und seinen Wünschen von einem Körper zum anderen. Tod bedeutet also nichts anderes, als dass das Ich mit den feinen Hüllen den physischen Körper verlassen muss, weil dieser nicht mehr richtig funktioniert, sei es durch Krankheit, Alter oder äussere gewalttätige Einflüsse.
    Es ist daher das ureigene Selbstinteresse eines jeden, die ewige und unwandelbare Natur seiner wirklichen Identität zu erkennen und von den sich laufend verändernden Hüllen klar zu unterscheiden.

Wie sollte man handeln, um seiner eigenen ewigen Identität gerecht zu werden?
Der ganz normale Egoismus, der keine Rücksicht auf die Gefühle und Bedürfnisse anderer Lebewesen nimmt, ist wie eine unsichtbare Kette, die das ewige Ich an den fortlaufenden Kreislauf von Geburt und Tod fesselt.
Wenn ich nicht mit meinem groben und feinen Körper identisch bin, dann sind alle anderen Lebewesen - unerheblich in welchen groben und feinen Körpern sie stecken mögen - von der gleichen nichtmateriellen Substanz oder Qualität wie ich selbst.
Auf dieser Grundlage der Selbst-Erkenntnis kann die wahre Brüderlichkeit aller Lebewesen zumindest intellektuell begriffen werden. Und daraus lassen sich ganz natürlich neue Formen des brüderlich-schwesterlichen Umgangs mit anderen Wesen ableiten.
Diese Wahrnehmung der unwandelbaren Identität unserer Persönlichkeit und der veränderlichen Hüllen, führt zur nächsten Stufe der Erkenntnis:

LEBEN KOMMT VON LEBEN
Sobald wir uns über unser wirkliches Ich bewusst werden, können wir auch verstehen, wie absurd die wissenschaftliche Theorie "Leben bildet sich unter günstigen Bedingungen aus toter Materie" ist.
Wir sind das Leben, bzw. der Lebensfunke (Atman) im Körper. Die Hüllen, bestehend aus Körper, Denken, fühlen und Wollen, sowie der Intelligenz, sind nur scheinbar lebendig, genauso wie ein Fahrzeug nur lebendig erscheint, in Wirklichkeit aber kein Eigenleben besitzt.
Wer käme schon auf den Gedanken, das Fahrzeug würde aufgrund seiner komplexen Bauweise den Fahrer erschaffen. Jeder, der so etwas mit aller Ernsthaftigkeit behaupten würde, müsste damit rechnen, in eine psychiatrische Klinik eingewiesen zu werden.
Niemand konnte bis anhin beobachten, dass sich tote Materie selbstständig zu komplexen Verbindungen vereinigt. Wir erleben jedoch tagtäglich, wie dort, wo sich Leben befindet, Materie in oft unerklärbarer Weise verändert und umgeformt wird. Unter dem Einfluss des Lebens bewegt sich die Materie in höchst erstaunlicher Art, verändert ihre Formen und nimmt andere Gestalten an. Auf der anderen Seite können wir beobachten, dass, sobald das Leben aus der Materie weicht, diese komplexen Verbindungen vollständig bis ins Kleinste zerfallen. Sobald das Leben einen materiellen Körper verlässt, geschieht das, was wir als Sterben und Tod bezeichnen. Also genau das Gegenteil der wissenschaftlichen Theorie ist zu beobachten:

  • Ohne Leben zerfällt die Materie zu Staub.
    Die Materie baut sich nicht selbstständig auf, um Leben zu erzeugen. Wir selbst, das Leben, bauen an der Materie und verändern sie auch. Wir sind nicht ein Produkt der toten Materie.
  • Das unwandelbare lebendige Selbst oder Ich muss folglich einen Ursprung oder Urgrund haben, der die gleichen Eigenschaften besitzt, wie das Ich selbst. Das heisst, unser Urgrund muss zumindest eine ähnliche unwandelbare Natur besitzen wie wir. Er muss auch zumindest genauso voller Leben und Bewusstsein sein wie wir.

Einfach gesagt: der Lebensfunke, das individuelle lebendige Ich, ist in seiner Qualität höher einzustufen, als die leblose, tote Materie und muss folgedessen einen mindestens gleichwertigen Ursprung haben. Es widerspricht dem Gesetz der Logik, zu denken, niedere Qualität könne höhere Qualität erzeugen. Schon allein deshalb ist die Theorie "Leben kommt von Materie" unhaltbar.
Genau betrachtet hat nicht der Ursprung unsere unwandelbaren Eigenschaften, sondern wir, die unzählbaren Lebensfunken, haben unsere Eigenschaft und Qualität von unserem Ursprung. Es gibt also keine Qualitätsunterschiede zwischen den individuellen Lebensfunken, die jede Art von Körper lebendig erscheinen lassen, und zwischen ihrem Ursprung oder Urgrund.
Gibt es aber Quantitätsunterschiede zwischen den unwandelbaren Lebensfunken und ihrem Ursprung?
Halten wir ein paar Beobachtungen fest:

  1. Ich bin nicht der Körper, ich bin ein ewiges, nichtmaterielles Wesen, ein vollbewusster Lebensfunke (Atma). Ich weiss aber nicht genau, welche Regeln oder Auswirkungen zu meiner Verkörperung geführt haben.
  2. Ich bin nicht die Ursache des schier grenzenlosen Kosmos, der Sphäre aus groben und feinen materiellen Elementen.
  3. Alle anderen Lebewesen innerhalb meines Wahrnehmungsbereichs befinden sich in einer ähnlichen Lage.
  4. Ich muss einen Ursprung haben, der ausserhalb meiner momentan bedingten Wahrnehmung liegt. (Diese Feststellung zwingt sich auf, wenn man Punkt eins anerkennt.)
  5. Der scheinbar grenzenlose, aber unbewusste, materielle Kosmos muss auf dem gleichen Urgrund ruhen, wie die individuellen Lebensfunken.

Wenn wir diesen fünf Punkten - man könnte sicher noch andere hinzufügen - zustimmen, drängt sich die Erkenntnis auf, dass der Ursprung, obschon von gleicher Qualität, doch von kaum berechenbar grösserer Quantität sein muss. Seine Kraft ist ganz offenbar so unbegreiflich gross, dass er allein durch seine qualitativ niedere Energie, die Materie, unzählige Lebewesen kontrollieren kann. Das steht ausser Zweifel, denn jeder wird von dieser materiellen Energie betört und durch ihren Einfluss beherrscht.
Wer also die Wirkungsweise und Macht seiner materiellen Energie auch nur bruchstückhaft erfassen kann, muss neidlos zugeben:

Der Ursprung selbst, das höchste Leben, muss von unbegreiflichen Kräften (Energien) erfüllt sein.
Dieser Ursprung ist im Vergleich zum Lebensfunken wie die Sonne zu den unzähligen Sonnenpartikeln. Beide besitzen die gleiche Eigenschaft: Licht und Wärme. Also die gleiche Qualität, aber nicht die gleiche Quantität. Die Sonne ist immer unabhängig, doch der Sonnenpartikel ist von der Sonne abhängig. In ähnlicher Weise ist das höchste Leben vollständig frei und unabhängig, doch die winzigen Lebensfunken (Atma) sind entweder direkt von ihm oder indirekt von seiner materiellen Energie abhängig. In welcher Abhängigkeit (direkt oder indirekt) der Lebensfunke stehen möchte, ist jedoch gemäss Veda seine Willensfreiheit. Genauso, wie der winzige Lebensfunke Individualität und auch nichtmaterielle Eigenschaften besitzt, muss das grosse oder höchste Leben Individualität und nichtmaterielle Eigenschaften besitzen. Das heisst: Der Ursprung besitzt eine individuelle Persönlichkeit und Gestalt, die jedoch vollständig frei ist, von der Beschränktheit der groben und feinen Materie. Der Name Krsna (Krishna) beschreibt diese höchste Persönlichkeit und ihre Eigenschaften. Krsna bezieht sich auf seine unfassbare Schönheit und Lieblichkeit, die auf jedes Lebewesen anziehend wirkt. Krsna heisst also einfach übersetzt: Der Allanziehende.
Der Vorgang, durch den sich der winzige Lebensfunke mit der höchsten Persönlichkeit verbindet oder verknüpft, nennt man Yoga (andere Kulturen und Sprachen verwenden andere Begriffe, die jedoch das gleiche ausdrücken). Wenn diese Annäherung in der Haltung der Widmung, Liebe und Hingabe geschieht, nennt man sie Bhakti-Yoga, der Pfad der liebenden Hingabe zu Gott.

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