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Maya-Shakti – Die vom Zentrum allen Seins fortschleudernde Kraft

Auf der Überseele aller Dinge, dem Paramatma, ruht die „Maya-Shakti“, die große Maya der Welt, Maha-Maya.

Alles, was gemessen und berechnet werden kann, alles was unserem Intellekt zugänglich ist gehört zum Bereich der Maya. Shrila Bhaktivinoda Thakura empfiehlt daher auch, dass man dem Geist und nicht den Worten der offenbarten Schriften seine Aufmerksamkeit schenken soll. Man darf nie vergessen, dass die spirituelle Welt unbegreiflich, unmessbar und unfassbar ist und folglich Worte und Begriffe aus der Maya-Welt eine Annäherung an die ewige Wirklichkeit sind.

Diese Maya drückt sich in unterschiedlicher Weise aus. Als „verhüllende Kraft“ verhüllt sie das reine Bewusstsein des Atma im Körper. Als „fortschleudernde Kraft“ schleudert sie den Atma vom Zentrum allen Seins (Gott) fort. Durch sie erhält der ewige und unveränderliche Atma ein falsches Ichbewusstsein, welches ihn nun veranlasst, sich mit den darauf folgenden Hüllen aus feinstofflicher (psychischer) und physischer Materie zu identifizieren. Als fortschleudernde Kraft kann man die Maya mit der Zentrifugalkraft der Physik vergleichen.

Die Maya bewirkt nicht nur Täuschung, Unwissenheit oder Illusion. Als Prakriti, die Gesamtheit der sichtbaren und unsichtbaren Natur, ist sie gestaltende Kraft und die Grundsubstanz aller Stoffe (Materie).

Die Welten von Zeit und Raum sind nicht Illusion, weil sie letztlich auf Gott und seiner Energie beruhen. Doch aufgrund ihres Wesens, sich endlos zu wandeln, kann kein Lebewesen die beständige Freude in dieser Wandelwelt finden. Die Suche nach beständigem Glück, getrennt von Gott und der eigenen ewigen Identität, gilt daher in der Vaishnava- oder Bhakti-Lehre als Illusion, nicht die materielle und sich fortlaufend verändernde materielle Energie.

Die Maya ist eine Dienerin Gottes. Es ist ihre Aufgabe – ähnlich einem Gefängnisaufseher – alle Seelen, die mit der inneren Haltung der Ausbeutung genießen wollen, an die materielle Energie zu fesseln. Deshalb führt sie diese Wesen vom Zentrum allen Seins fort und bindet sie mit den unsichtbaren Fesseln der Unwissenheit. Dies verlieh ihr den Namen „Durga“. Durga ist eine Festung, ein Gefängnis. Als Vidya, Kraft des Wissens, macht sie es möglich, dass jene Wesen, die sich dem Urgrund (Gott) wieder zuwenden wollen, zu ihm zurückfinden. Ihnen löst sie die Fesseln und bietet Hilfe zu ihrer Befreiung (Mukti).

Ähnlich der Cit-Shakti (Svarupa-Shakti), tritt auch die Maya der Welt gestalthaft, als Person, und gestaltlos, als ihre Kräfte, auf.

Die drei Gunas der Maya

Zur klaren Erkenntnis der Welt und des Menschen gehört gemäß den vedischen Schriften (Shastras) vor allem das Wissen von den „drei Gunas der Maya“.

Das Sanskritwort „Guna“ bedeutet Qualität, Kette, Fessel, Strick, Seil. Die Texte unterscheiden: das träge finstere Tamah (Dunkelheit), das aktive feurige Rajah (Leidenschaft), und das stille leichte Sattva (Reinheit).

„Wenn in einem Menschen der Guna Sattva vorherrscht, so sind die Auswirkungen: Im Sinne der Schriften zu handeln und zu sprechen; aufrichtig zu sein; freigebig zu sein; den Geist zu zügeln; die Sinne zu beherrschen; Ausdauer; Leid ertragen zu können; gegen sich selbst unnachgiebig zu sein; Zufriedenheit mit jedem Maß des Erwerbs; Fähigkeit auf etwas zu verzichten; höfliche Bescheidenheit; Überlegung; kritisches Unterscheiden; Bemühen, das sich in den Grenzen des Gesetzes und der Schicklichkeit hält; Vertrauen in die offenbarten Schriften; Freiheit von Lug und Betrug; Barmherzigkeit.“ (Bha 11.25.2)

„Wenn in einem Menschen der Guna Rajah vorherrscht, so sind die Auswirkungen die folgenden: Begehren nach Sinnengenuss; geschäftige Tätigkeit und Rastlosigkeit; blinder Stolz; trotz Erlangung dessen, was man begehrt, ist man unzufrieden; Hochmut; zu höheren Mächten (Halbgöttern oder auch zu Gott, dem Herrn aller Götter) um Reichtum und dergleichen zu beten; sich selbst verschieden und besser als andere zu fühlen; genießen von Sinnesobjekten; Begeisterung für Krieg und Kampf; Schätzung des eigenen Ruhmes und Namens; die Neigung andere Wesen lächerlich zu machen; seine eigene Kraft zur Schau stellen und sich damit brüsten; große Anstrengungen, sein Ziel mit Gewalt zu erreichen.“ (Bha 11.25.3)

„Die Auswirkungen des Tamah-Guna sind: Ärger auf Grund von Ungeduld und Mangel an Ausdauer; Besitzgier; Geiz; unwahre und den Schriften entgegen gestellte Redeweise; Grausamkeit (gegenüber Mensch und Tier); auf Kosten anderer leben; Vorgeben etwas zu sein, was man nicht ist; sich müde fühlen; zu viel schlafen; sich selbst bemitleiden; niedergeschlagen sein, sich unglücklich fühlen; Furchtsamkeit; Trägheit.“
(Bha 11.25.4)

Die Bhagavad-Gita enthält ebenfalls einige Darstellungen des Wesens der Gunas. Noch ausführlicher ist die Guna-Lehre im Bhagavatam. Dort wird unter anderem genau analysiert, was gunahaftes Wissen, gunahafte Überzeugung, gunahafte Freude ist, und welches Wissen, welche Überzeugung und welche Freude über den Gunas der Maya liegt.

Krishna spricht:

Das reine Wissen vom Atma und Brahman ist sattvahaft.
Das Wissen vom Menschen als Einheit von Körper und Geist ist rajahhaft.
Das alltägliche Wissen, das sich bloß auf irdisches Wohl bezieht, ist tamahhaft.
Doch das Wissen, das in mir gründet, ist frei von den Gunas.“ (Bha 11.25.24)

Sattvahaft ist die tatkräftige Überzeugung, dass das Forschen nach dem Atma der Sinn des Lebens sei.
Rajahhaft ist die Überzeugung, dass der Zweck des Lebens das Erfüllen der den Menschen gebotenen Pflichten sei.
Tamahhaft ist die Überzeugung, dass das Nichtbeachten (dieser Pflichten) der Zweck des Lebens sei.
Tatkräftige Überzeugung aber, dass das Mir-Dienen der Zweck des Lebens sei, ist frei von den Gunas.“
(Bha 11.25.27)

Die Freude, die aus dem Selbst (Atma) entsteht, ist sattvahaft.
Die Freude, die aus der Berührung der Sinne mit den Sinnesobjekten entsteht, ist rajahhaft.
Die Freude, die aus Verwirrung und Erniedrigung entsteht, ist tamahhaft.
Die in mir gründende Freude ist jenseits der Gunas.“ (Bha 11.25.29)

Mit harter Klarheit wird im Bhagavatam betont, dass nicht nur Physisches, sondern auch alles Geistig-Intellektuelle der Maya zugehört:

„Das wirkliche Selbst (Atma) ist nicht der Körper, der aus Erde besteht, noch die Sinne oder die Götter, die über sie wachen; nicht Atem, Wind, Wasser, Feuer, nicht der Geist (Manah); all dies ist einfach Materie. Auch nicht Intelligenz (Buddhi), noch materielles Bewusstsein, nicht das (falsche) Ichbewusstsein (Ahankara), nicht Äther oder Erde, noch die Objekte der Sinneswahrnehmung und auch nicht die ungestaltete Urkraft der Materie können als das Selbst (Atma) bezeichnet werden.“ (Bha 11.28.24)

„Oh, bester unter den Menschen (Uddhava), alle Dinge und Gefühle, die im Menschen und in der Natur gründen, bestehen aus den drei Gunas der Maya. Auch alles, was er sieht und erlebt, alles, was er hört, und alles, was er mit seinem Geiste denkt.“
(Bha 11.25.31)

„Das aus den Gunas stammende Tun und Lassen, bestimmt die Art des Umhergetriebenwerdens des Menschen in der Wandelwelt (von Geburt zu Geburt).“ (Bha 11.25.32)

Auch die Religion, wenn sie noch irgendeinen Lohn anstrebt oder für treue Pflichterfüllung ein (vergängliches) Himmelsglück nach dem Tode verspricht, ist von dieser harten Scheidung zwischen den Kategorien Maya und Bhakti nicht ausgeschlossen. In der Bhagavad-Gita spricht Krishna als göttlicher Guru (Lehrer) zu seinem Freund und Schüler Arjuna:

„Die Veden handeln von den drei Gunas der Maya.1 Werde frei, oh Arjuna, von den drei Gunas. Sei über der Dualität der Maya, frei vom Trieb zu erraffen und festzuhalten, wurzle im reinen ewigen Sein, sei im Atma gegründet.“ (2.45)

Diese drei Gunas unterstehen ebenfalls Durga, der personifizierten Shakti Shivas, der Maya. Als Shivas Ehefrau ist sie, ebenso wie er selbst, eine Geweihte und Dienerin Krishnas.

Diese Wunderkraft Gottes, die Maha-Maya (Maya-Shakti), besitzt die Fähigkeit, dass sie jedem einzelnen Wesen – entsprechend dem Grad seiner Unwissenheit – die ihm entsprechende „Wirklichkeit“ zum Erleben entgegen hält. Ihre Aufgabe ist es, den Gottabgewandten (den auf sich selbst Zentrierten) die wahre Wirklichkeit zu verhüllen und ihnen stattdessen scheinbare Wirklichkeit vorzuführen.

Ganz im Gensatz zur Yoga-Maya, die unmittelbar mit Krishna selbst verbunden ist. Yoga-Maya ist seine herrliche Kraft des Seins, der Erkenntnis und der ekstatischen Liebe. Ihre Aufgabe ist es, in immer neuen Entfaltungen den Gottzugewandten unendliche wahre Wirklichkeit vorzuführen, aber dabei, zur Steigerung des ewigen Spiels, bestimmte Aspekte des Herrn verhüllt oder hervorhebt. So verhüllt sie beispielsweise Krishnas Allmacht und Majestät, um seine göttliche Lieblichkeit und Süße völlig aufleuchten zu lassen oder umgekehrt, hebt sie seine Allmacht hervor – je nach der Art der liebenden Beziehung der individuellen Atmas zum Herrn.

1 Nach Auffassung aller Kommentatoren ist nur jener Teil des Veda gemeint, der sich mit Karma-kanda befasst, das heißt, mit der Beschreibung von frommen Tätigkeiten (Karma), die vergängliche materielle Ergebnisse versprechen, wie die Erhebung zu den himmlischen Planeten u ä.


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