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Ein Zeitdokument aus dem Jahre 1997

Aufstieg zum Patriarchen

Alexi II., der gegenwärtige Patriarch der Russisch-orthodoxen Kirche, wuchs unter dem bürgerlichen Namen Alexei Michailowitsch Ridiger in Tallinn auf - im seinerzeit sowjetischen und heute unabhängigen Estland. 1950 wurde er zum Priester geweiht und 40 Jahre und viele Kämpfe später als Alexi II. Patriarch der Russisch-orthodoxen Kirche.
Sein Weg an die Spitze der Russisch-orthodoxen Kirche war nicht leicht. Gläubigen war er lange suspekt, weil er unter den Kommunisten aufgestiegen war. Die Beziehungen zwischen Staat und Kirche waren in Russland traditionell nie gut, unter den Diktatoren Stalin und Chruschtschow waren sie ja besonders schlecht. Beide misstrauten der Kirche, der Geheimdienst KGB verfolgte sie bis in die 80er Jahre entsprechend scharf. wfw

Alexi II. - ein Wolf im Schafspelz?

Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche gebärdet sich ganz wie ein machtgieriger Politiker, dem alle Mittel zur Macht- und Einflussteigerung nur recht und billig sind, und nicht wie ein religiöses Vorbild, das sich an Tugenden wie Ehrlichkeit usw. messen lassen könnte, wie man dem nachstehenden Artikel vom 17.10.97 der Berner Zeitung BZ entnehmen kann.
Es ist eine Tragik an sich, dass ausgerechnet immer wieder führende Persönlichkeiten von religiösen Institutionen einem Machtrausch verfallen, durch den besonders Angehörige anderer Gruppen zu leiden haben. Wer andere Religionsangehörige als «Quelle der Gefahr für Kirche und Staat» betrachtet, wird sicherlich auch keine Mittel scheuen, dieser angeblichen Gefahr "angemessen" zu begegnen. Wie das aussehen könnte, hat die Geschichte ja immer wieder aufgezeigt.
Man kann nur hoffen, dass durch internationalen Druck und regelmässige Berichterstattung der Medien, auch ein Jelzin merkt, der ein solches rückständiges Gesetz unterzeichnet hat, dass er sich durch Alexi II. hat korrumpieren lassen. Dabei herausgekommen ist die Grundlage für eine Russisch-orthodoxe Glaubensdiktatur.

Gaurahari

17.10.1997; Berner Zeitung BZ


Alexi II, Patriarch der Russisch-orthodoxen
Kirche, ist zur einflussreichsten religiösen
Persönlichkeit Russlands geworden.
Ein neues Religionsgesetz soll sein Streben
nach Macht untermauern.

Owen Matthews, Moskau



Die Gelegenheit war günstig: Die Weihe der Glocke der wiedererrichteten Erlöserkathedrale nahe dem Kreml. Tausende warteten auf die Zeremonie, darunter Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow, bemüht, seine Ungeduld zu zügeln. Eigentlich können nur zwei Personen es sich erlauben, Luschkow warten zu lassen. Eine davon ist Präsident Boris Jelzin - doch der würde heute nicht erscheinen. Eine Limousine rollt heran. Ihr entsteigt Alexi II., 68jähriger Patriarch der Russisch-orthodoxen Kirche, geistige Heimat von 60 Millionen Gläubigen. Luschkow eilte herbei, verbäugte sich unterwürfig, und küsst Alexis Ring.
Letzte Woche verbeugte sich auch Jelzin - auf seine Weise - vor dem Patriarchen. Trotz internationaler Kritik unterzeichnete der Präsident ein kontroverses neues Religionsgesetz. Es begrenzt effektiv die Missionsarbeit, die «neue» Religionen in Russland ausüben dürfen - eine Beschränkung, welche die römisch-katholische Kirche trifft wie protestantische Sekten.

«Menschenrechtskrise»

«Die ernsteste Menschenrechtskrise seit dem Ende der Sowjetunion», erklärte Lawrence Uzzal, Moskau-Repräsentant des Keston-lnstituts in Oxford, das die Religionsfreiheit in Osteuropa beobachtet. Denn das Gesetz hebt die orthodoxe Kirche - begründet vor 1000 Jahren von Wladimir I., Fürst von Kiew, wieder auf jenen Platz, von dem ihre Führung glaubt, dass er ihr zusteht: die Position offizieller Vorherrschaft in Russland.
Alexi II. hatte hart um das Gesetz gerungen. Er verglich etwa im Fernsehen das Auftauchen «ausländischer Religionen» in Russland rnit derAusweitung der Nato: eine Quelle der Gefahr für Kirche und Staat». Jelzins Unterschrift ist das deutlichste Zeichen für jene politische Beeinflussungskraft, welche der Kirche im postkommunistischen Russland erwachsen ist. Und während die Gläubigen verstärkt die Kirchen besuchen, bemühen sich Politiker aller Parteien um enge Kontakte zum Kirchenfürsten. Keiner war da fleissiger als Jelzin - und Luschkow.

Die Geschäfte der Kirche

Für die Kirche zahlten sich die politischen Verbindungen aus - doch ist sie auch unerwünschter Beobachtung ausgesetzt. Denn unter Alexi II. entstand ein Wirtschaftsimperium - durch Steuervergünstigungen. Von 1992 bis 1996 hatte die Kirche das Recht, 50 000 Tonnen Zigaretten einzuführen - steuerfrei als «humanitäre Hilfe». Den armen Staat kostete das 60 Mio. Franken. Laut Militärstaatsanwälten ist die Kirche auch an Korruption in der Armee beteiligt: Das Militär nutze die internationalen Bankkonten der Kirche, um Gewinne aus dem Verkauf von Armee-Eigentum beiseitezuschaffen.
Die Kirche versicherte, alles sei zu «Wohltätigkeitszwecken» geschehen. Ein Sprecher unterstrich, Einnahmen der Kirche dienten wohltätigen Zwecken wie dem Bau neuer Kirchen. Allein in Moskau wurden in fünf Jahren 185 Kirchen renoviert.

«Heiliger Rauch»

Der Patriarch ist bemüht, jeden Hauch von Skandal fernzuhalten. Als die Presse Details des «Heiliger Rauch» getauften Zigaretten-Deals ausbreitete, erklärte Alexis Sprecher, die kirchliche Abteilung für Auswärtiges, die auch geschäftliche Aktivitäten unter sich hat, leite ein Rivale des Patriarchen. Alexi bat Regierungschef Tschernomyrdin, die Privilegien der Kirche rückgängig zu machen. Zugleich aber tauchten beim US-Nachrichtenmagazin «Newsweek» Briefe von Alexi an den damaligen Duma-Präsidenten Rybkin auf, in denen um den «Wohltätigkeits-Status» für die Zigarettenlieferungen ersucht wurde.

Neues Religionsgesetz

Alexi kann wichtige Männer in die Sätze bringen, soviel ist klar. Im Sommer, als Jelzin sein Veto gegen die erste Fassung des Religionsgesetzes einlegte, wütete der Patriarch: Die Verweigerung der Unterschrift könne einen «grundsätzlichen Konflikt zwischen Volk und Regierung» heraufbeschwören. Die Botschaft war klar: Jelzin würde besser unterschreiben, sonst wendet die Kirche sich der Opposition zu. In der Vergangenheit flirtete Alexi schon offen mit der Opposition aus Kommunisten und Nationalisten in der Duma. Letzte Woche unterzeichnete Jelzin das leicht veränderte Gesetz.
Resultat: Nicht nur Missionare westlicher Kirchen klagten, sondern auch die Gemeinschaft «Freier Orthodoxer», deren Gläubige sich in der Kirche «St. Georg Eroberer» besammeln. Als «unregistrierte» Sekte fürchten sie, ihre Kirche werde dem Patriarchat zufallen. Denn die von Alexi II. geführte Kirche besitzt nun das religiöse Monopol. Sie kann religiöse Konkurrenten nach Belieben ausschalten.


«Newsweek News Service»
Bearbeitung: W. F. Wiegandt