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FAQs - Karma, das Tun und die Folgen des Tuns

Ein kurzes humoristisches Intro ins Thema




Karma - Ausgleich in der Schule des Lebens

Was bedeutet der Begriff «Karma»?
Im strengen Sinn der Worterklärung bedeutet «Karma»: Handlung. Die vedischen (alt-indischen) theologischen Schriften, wie die Bhagavad-Gita, führen diesen Begriff noch weiter aus, indem sie zwischen drei Arten von Handlungen unterscheiden: Karma, Vikarma und Akarma. In dieser tiefergehenden Unterscheidung werden mit dem Begriff «Karma» Handlungen bezeichnet, die eine angenehme Rückwirkung erzeugen.
Der Begriff «Vikarma» bezieht sich auf Handlungen, deren Wirkungen als Leid empfunden werden. Der Karma-Kandha Teil der Veden unterscheidet diese zwei Arten der Handlungen entsprechend den in den Veden zu findenden moralischen und ethischen Richtlinien als glückbringende und leidbringende Tätigkeiten. Dem Tun beider Kategorien ist gemeinsam, dass es Bindung im Kreislauf der Wiedergeburt erzeugt. Es wird deshalb als «Karma-bandhana» bezeichnet: Bindung an das eigene Tun im Kreislauf der Wiedergeburt.
Die dritte Art von Handlungen werden «Akarma» (Nicht-Handeln) genannt, das heisst, sie erzeugen weder angenehme, noch leidvolle Wirkungen, sondern verursachen durch ihren Bezug zu der dieser irdischen Welt zugrundeliegenden göttlichen Welt, keine "materielle" Wirkung, die in Form einer Reaktion «geerntet» werden müsste. Als Akarma wird grundsätzlich alles Tun bezeichnet, das in Gott gründet. In der Bhagavad-Gita wird wie folgt darauf verwiesen:

«Jemand, der nicht motiviert ist, die Früchte seiner Handlungen zu geniessen, befreit sich schon in diesem Leben von guten (karma) und schlechten Taten (vikarma). Beschäftige dich deshalb auf dem Pfad des selbstlosen Handelns, denn solches Buddhi-yoga, die Ausgeglichenheit im selbstlosen Handeln, ist bestimmt die wahre Kunst des Handelns.» (2.50)

Über den rein wörtlichen Gehalt hinaus, schliesst der Beriff «Karma» auch die Folgen des Tuns ein. Entsprechend den Handlungen werden Wirkungen erzeugt, die auf den Handelnden zurückfallen. Da niemand nur «gut» oder nur «schlecht» handelt, sind auch die auf den Verursacher zurückfallenden Wirkungen in unterschiedliche Verhältnisse von Genuss und Leid aufgeteilt. Dies wird dann oft als sogenanntes gutes oder schlechtes Karma oder einfach nur als «karmische Reaktionen» bezeichnet.

Was bedeutet der Begriff «das Gesetz des Karmas»? Das Gesetz des Karmas wird als eine Art Naturgesetz des Ausgleichs verstanden, das dafür sorgt, dass jedes Lebewesen die Früchte seines eigenen Tuns in der Zukunft entgegennehmen muss. Es ähnelt dem newtonschen Gesetz von Ursache und Wirkung, entzieht sich jedoch aufgrund seines subtilen Charakters physikalischer Überprüfbarkeit, obwohl es sich unter anderem auch auf der grobstofflichen (physikalischen) Ebene auswirkt. Mit diesem Verständnis verliert der «Zufall» seine Grundlage. Stattdessen erhält der Begriff eine sehr wörtliche Bedeutung: etwas, was einem aufgrund des eigenen vergangenen Tuns «zu-fällt».
Wenn alles auf «Karma» beruht und es keine Zufälle gibt, ist alles vorherbestimmt, was einem im gegenwärtigen Leben geschieht. Wo bleibt da noch Raum für die Eigenverantwortlichkeit? Entsprechend dem vedischen Karmaverständis ist lediglich das Ausmass des Genusses und des Leides vorherbestimmt. Die individuelle Freiheit, über sein Tun zu bestimmen, wird davon nicht berührt. Ich kann von heute auf morgen nach Australien auswandern, aber auch dort wird mir dasselbe Ausmass an Genuss oder Freude und Leid begegnen wie hier auch. Daher kann in diesem Sinne nicht von einer absoluten Vorherbestimmung gesprochen werden. Vielmehr ist alles, was geschieht, eine Wechselwirkung von dem, was sich die Lebewesen einerseits in der Gegenwart wünschen und in der Vergangenheit gewünscht haben (freier Wille), was sie (aufgrund des freien Willens) tun und andererseits den Wirkungen (karmische Reaktionen) aus den eigenen vergangenen Handlungen.
Konkret befinde ich mich aufgrund meiner vergangenen Wünsche und Handlungen in einer bestimmten Situation, ob mir diese gefällt oder nicht. Gleichzeitig bin ich aber immer frei, wie ich mit dieser Situation umgehe. Dieses Umgehen in und mit der Situation wird wiederum Mitursache für neue zukünftige Lebenssituationen im Kreislauf der Wiedergeburt werden.
Ohne (Willens-)Freiheit kann es keine Eigenverantwortlichkeit geben. Daher ist der Wille und das Wünschen immer frei, aber gleichzeitig ist das Lebewesen nicht allmächtig. So kann zwar das Lebewesen jederzeit frei entscheiden (wünschen), - doch wann und wo dieser freie Willensausdruck umgesetzt wird, wird von Gott bestimmt, der als innerer Lenker (in Sanskrit: antaryami) in allen Lebewesen und allen Dingen weilt. Das heisst: wir wünschen und sehnen uns nach bestimmten Dingen (auch wie wir Handeln möchten) und entsprechend diesen Wünschen (aus diesem und vergangenen Leben) und entsprechend der karmischen Situation von uns und den anderen Lebewesen in unserem Einflussbereich, leitet der innere Lenker unseren Weg und die Wege aller anderen Lebewesen.
Was unsere vergangenen Wünsche betrifft, ist aber alles sehr beweglich und keinesfalls starr. Beispielsweise kann es unser Wunsch gewesen sein, soviel Fleisch zu essen, wie es uns gelüstet und dieser Wunsch hat dann seinen kleinen Beitrag dazu geleistet (mit vielen anderen Wünschen und den karmischen Reaktionen, die uns zustehen), dass wir in dieser Schlachthaus-Kultur geboren wurden, wo tägliches Fleischessen das "Normale" darstellt. Doch obschon wir diese Wünsche gehabt haben, sind wir nicht gezwungen, Fleisch zu essen. Jederzeit können wir das dadurch verursachte Elend der Tiere und die ökologischen Folgen erkennen und unsere Wünsche und unser Tun entsprechend ändern.
So können wir in unserer individuellen Freiheit durch unsere Wünsche (Willen, Wollen) die Richtung unseres Weges frei bestimmen - in voller Eigenverantwortlichkeit -, werden aber gleichzeitig immer auch mit den Folgen unserer vergangenen Handlungen konfrontiert und können an diesem Punkt - wo sich die Reaktionen einfinden - nicht mehr sagen: «Nein danke, damit will ich nichts zu tun haben.»
In dieser Weise ist unser Wille, sind unsere Wünsche frei, während wir gleichzeitig durch die Folgen unserer Handlungen gebunden werden, also die graduelle Bedingtheit in dieser Welt selbst verursachen.
Diese Freiheit ist vergleichbar mit der Freiheit eines Bürgers in einem demokratischen Land. Freiheit bedeutet nicht, nach Lust und Laune einfach alles tun zu können, sondern bedeutet die Freiheit, welche sich innerhalb der demokratischen Regeln und Gesetze bewegt.
Ist das Karmaverständnis vergleichbar mit dem christlichen Verständnis der Erbsünde oder der Strafe Gottes? Beide Ideologien, sprechen dem Menschen für bestimmte Handlungen Schuld zu und bestrafen sie dafür. Karma ist keine Ideologie, die jemandem Schuld und Strafe für Handlungen zusprechen würde. Der Begriff «Karma» umschreibt lediglich den «Vorgang», dass das, was von einer Person ausgeht, wieder zu ihr zurückkommen wird. Die Person wird also nicht von einem Dritten (Gott, dem Karma) für ihr Tun bestraft oder belohnt, vielmehr wird sie von ihrem Tun bestraft oder belohnt. Als Analogie kann folgendes Beispiel dienlich sein: Wenn jemand mit seiner Hand gegen eine Scheibe drückt, drückt die Scheibe entsprechend gegen seine Handfläche zurück. Es gibt keinen Dritten, der darüber entscheiden müsste, welcher Druck auf die Handfläche der Person zurückzufallen hat. Vielmehr fällt der ausgeübte Druck einfach auf den Verursacher zurück. Das ist einfach eine physikalische Gesetzmässigkeit.
In diesem Sinne wird Karma als eine Art Naturgesetz verstanden, das - wie jedes andere Naturgesetz - wertfrei ist, obwohl es letztlich auf der Kraft Gottes beruht und seiner Kontrolle untersteht.
Die Karmalehre hat es noch nicht einmal bis zur Vergebung gebracht - noch immer ist dahinter ein strafender Gott zu finden, der Gleiches mit Gleichem vergilt! Es ist die buddhistische Karmalehre, die keine Vorstellung von Vergebung kennt, sondern nur einen graduellen Kampf um Selbsterlösung, im Verständnis der drei sittlich negativen (Gier, Hass, Verblendung) und sittlich positiven Haltungen (Selbstlosigkeit, Güte, Weisheit), die als die sechs Wurzeln dessen beschrieben werden, was als unheilsames bzw. heilsames Karma gilt.

Das in den Veden beschriebene Karma-Gesetz beinhaltet in sich selbst auch keine Vergebung, da es lediglich eine kontrollierte Wirkungsweise der materiellen Natur darstellt, in welcher die universale Gerechtigkeit zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz zum Buddhismus spricht die vedische Lehre jedoch von einer höheren göttlichen Wirklichkeit, und führt es auf die bewusste und unbewusste Verbindung mit diesem göttlichen Ursprung zurück, dass die unterschiedlichen Lebewesen von ihrer Karma-Last erleichtert werden, bis hin zur vollständigen Auflösung des Karmas.
Karmische Reaktionen stehen immer auch im Dienste einer Lebensschule. Selbst auf der rein menschlichen Ebene gibt es das Prinzip «Gnade vor Recht», das dem Umstand Rechnung tragen soll, jemandem eine Chance zu geben, den richtigen Rank zu finden. In ähnlicher Weise misst der Bhakta dem Prinzip der göttlichen Gnade (Barmherzigkeit) grössere Bedeutung zu, als dem Prinzip der göttlichen Gerechtigkeit, was in dem Verständnis ausgedrückt wird: «Gott verzeiht, die Natur nicht!»
Daher empfehlen die Yoga-Schriften zum einen, sich immer so zu verhalten, dass das eigene Tun nicht einem anderen zur Ursache von Leid gerät - dies nicht zuletzt aus dem Verständnis heraus, dass alles, was wir anderen zufügen, wir letztlich uns selbst zufügen (im Guten wie im Schlechten). Zum anderen wird empfohlen, an der Türe der Barmherzigkeit und Vergebung anzuklopfen und nicht an der Türe der Gerechtigkeit (Karma).

Kann «Karma» nicht als Begründung für menschliches Leiden benutzt werden, das überflüssig macht, sich mit konkreten Ursachen von Leid zu befassen, beispielsweise wenn Hunger und Durst in bestimmten Situationen zu beseitigen wären? Im Gegenteil!
Gerade die Lehre des Karma beinhaltet das Wissen, dass auch das Leid, das durch die Unterlassung von möglicher Hilfestellung oder -leistung (passiv) "verursacht", bzw. «aufrechterhalten» wird, letztlich auf den Passiven zurückfällt. Auf jemanden, der das ihm sichtbare Leid nicht gemäss seinen Möglichkeiten zu beseitigen versucht, also Leid zulässt, das er lindern oder beseitigen könnte, wird die entsprechende Reaktion zurückfallen. Dabei wird die Hilfeunterlassung als ebenso schwerwiegend betrachtet, wie jemandem direkt Leid zuzufügen.
Mit diesem vedischen Karmaverständnis hat selbst der grösste Egoist einen guten Grund, anderen entsprechend seinen Möglichkeiten zu helfen.
Die Karma- und Reinkarnationslehre ist leibesfeindlich, da sie den Körper bloss als ein (wechselndes) Fahrzeug für das Selbst betrachtet. Zwar unterscheiden die Veden deutlich zwischen dem zeitweiligen Körper und dem ewigen Selbst, dem Bewohner (Atma) des Körpers, betonen jedoch gleichzeitig, wie wertvoll der menschliche Körper ist. Er wird mit einem Boot verglichen, das in der Lage ist, den "Ozean des materiellen Leidens" zu überqueren. Die Unterscheidung zwischen Seele und Körper beinhaltet also nicht automatisch eine Leibverachtung, sondern eher das Gegenteil ist der Fall: dem menschlichen Körper wird eine grosse Bedeutsamkeit beigemessen. Jede Verkörperung (auch wenn sie bloss zeitweilig ist) bietet dem Lebewesen die Möglichkeit für Erfahrungen und für weitere Schritte im persönlichen Lernprozess, welcher letztlich aus dem Kreislauf der Geburten und Tode hinausführen soll (sofern das gewünscht wird). Es wird deshalb der grundsätzliche Ratschlag gegeben, weder den (zeitweiligen) Körper noch das (ewige) Selbst zu vernachlässigen, sondern das Zeitweilige in den Dienst des Ewigen zu stellen, da auf diese Weise der volle Nutzen des Zeitweiligen ausgeschüttet werden kann, ohne dass darüber das Ewige vergessen wird.
Die Karma- und Reinkarnationslehre ist eine gefährliche Vergeistigung und Verseelung, da sie den Menschen dazu anhält, alles als unabänderliches karmisches Schicksal zu betrachten und sie so gleichzeitig davon abhält, sich mit den Dingen dieser Welt zu befassen. Im Gegenteil.
Dem vedischen Karma- und Reinkarnationsverständnis liegt unter anderem der Gedanke zugrunde, dass das Lebewesen sich über verschiedene körperliche Existenzen hinweg weiterentwickeln oder zurückfallen kann, je nachdem, was es an Wünschen, "Idealen" und Tugenden entwickelt. In diesem Sinne wird Karma als Instrument einer grossen Lebensschule verstanden, welches uns herausfordert, uns mit der Welt, unserer Position in derselben und mit unserem Tun auseinanderzusetzen.
Das Shrimad-Bhagavatam sagt unmissverständlich (10.22.35):

«Es ist die Pflicht eines jeden Lebewesens, mit seinem Leben, seinem Reichtum, seiner Intelligenz und seinen Worten zum Wohl anderer tätig zu sein.»

Dieser Forderung ist nicht nachzukommen, wenn man seine Augen verschliesst und alles als unabänderliches Schicksal betrachtet. Dieser Forderung kann man nur dann nachkommen, wenn man denkt: mir ist jetzt das Glück zuteil geworden, die Gelegenheit zu erhalten, einer verkörperten Seele zu helfen, welcher durch das Karma meine Hilfeleistung zusteht.
Für den Bhakti-Yogi geht es in dieser Schule des praktischen Lebens und der praktischen Anwendung (z. B. auch in Bezug zu Pflichten, Verhalten in der Welt) letztlich darum, motivlos (von materiell-egoistischen Motivationen frei) lieben zu lernen und Menschen, welche noch in dieser Welt geniessen möchten, erfassen die Gelegenheit, um ihr gutes "Karma-Konto" zu vergrössern.

Am Beispiel der Judenvernichtung im Dritten Reich wird deutlich, dass das Karma- und Reinkarnations- Verständnis eine rassistische Theorie ist. «Jude» zu sein, ist praktisch gleichbedeutend damit, «schlechtes Karma» zu haben. «Jude zu sein» ist nicht im geringsten damit gleichzusetzen, «schlechtes Karma» zu haben, wenngleich eine Vielzahl von Lebewesen zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrer Verkörperung als Jude eine Rückwirkung aus vergangenem Tun zugefallen ist, die sich historisch betrachtet als «Holocaust» präsentiert. Das Karmaverständnis bezieht sich auf den verkörperten Atma und nicht auf den Körper mit seinen unterschiedlichen und zeitweiligen Bezeichnungen wie Schwarzer, Weisser, Mann, Frau, Russe, Deutscher, Atheist, Christ, Hindu, Jude, arm, reich usw. Karma beurteilt auch nicht, ob etwas - gemäss ständig wechselnden gesellschaftlichen Normen - sogenannt «gut» oder «schlecht» ist, es wertet nicht nach zeitweiligen moralischen oder ethischen Bekenntnissen. Es gibt einfach jedem genau das zurück, was er selbst durch sein eigenes Handeln verursacht hat, unabhängig von Rassen- oder Religionszugehörigkeit, ob Atheist oder Theist usw.
Somit betrifft es jedes Lebewesen gleichermassen und wirkt sich entsprechend im Verlaufe der Wiedergeburten aus.

Unabhängig davon, welchen Körper jemand hat und egal unter welchem «Ismus» er lebt, ist Karma immer individuell an das handelnde und wünschende Lebewesen gekoppelt und bezieht sich nie auf äusserliche Bezeichnungen von Land, Volk, Rasse, Geschlecht etc.
Dass die Massenermordung der Juden nicht als Beleg dienen kann, dem Karmaverständnis rassistische Tendenzen vorzuwerfen, geht auch daraus hervor, dass gerade bei zwei jüdischen Nobelpreisträgern der jüngeren Zeit (Nelly Sachs und Isaac B. Singer), der Wiedergeburts- und damit verbundene Karmagedanke als Aufarbeitung des jüdischen Schicksals im Dritten Reich auftaucht.

«Karma» ist immer individuell und es obliegt dem Willen Gottes, zu bestimmten Zeiten eine grosse Zahl von Seelen an einem Ort zusammenzuführen, so dass sich ihr individuelles Karma gemeinsam erfüllen kann und gleichzeitig - bedingt durch die Grösse des Ereignisses - bei vielen anderen Seelen, welche ein solches Ereignis nur beobachten oder durch die Geschichte erzählt bekommen, ein individueller Lernprozess ausgelöst werden kann.

Siehe hierzu auch eine jüdische Meinung:
Leserbrief vom 6.6.98 in der BaZ oder
die Homepage von Yonassan Gershom.

Im privaten Raum mag das ja noch einigermassen verständlich klingen, aber sobald grössere Prozesse ins Spiel kommen, sieht man die klaffenden Lücken dieser Theorie. Beispiel Judenvernichtung: Das richtete sich nun gegen ein ganzes Volk. Um Himmels Willen: nein!
Karma richtet sich niemals gegen ein Volk oder gegen eine Rasse.
Das Nazi-Bestreben der Judenvernichtung war natürlich gegen ein Volk - oder besser - gegen eine Glaubensgemeinschaft gerichtet. Die Täter waren Menschen (wie Hitler und seine Vasallen), die aufgrund ihres rassistischen Gedankenmülls ein ganz bestimmtes (Glaubens-)Volk vernichten wollten.
Aber was das Karma betrifft, kennt dieses weder «Judenvernichtung», noch richtet es sich gegen «ein Volk» oder gegen eine «Glaubensgemeinschaft». Karma richtet sich weder gegen Juden, noch Indianer, noch überhaupt gegen jemandem, dem es schlecht geht - ja, es richtet sich nicht einmal gegen Mörder. Das Wort “gegen” in Bezug zu Karma ist ganz und gar fehl am Platz.
Es ist egal ob ich oder ein Mörder oder ein Gottesgläubiger irgendeiner Glaubenszugehörigkeit handelt: Ist einer von uns Ursache von Vikarma (siehe ganz oben), fällt Vikarma auf ihn zurück. Es ist nicht das Karma, das “für” Handlungen “straft oder belohnt”, es sind die Handlungen selbst, die “strafen oder belohnen” - individuell, persönlich, denn hinter der Handlung, die eine karmische Reaktion in Gang setzt, steht ja immer eine individuelle, selbstverantwortliche Person.

Siehe auch obige Links!
War die Judenvernichtung gemäss dem Karmaverständnis der Plan Gottes und die Nazis nur Erfüllungsgehilfen? Die Nazis waren in dem Sinne Erfüllungsgehilfen, als sich durch sie das Karma ausgewirkt hat, das von Gott (als innerer Lenker) nur «zugeführt», jedoch nicht «verursacht» worden war.
Die Handlungsweise der Nazis beruhte auf ihren persönlichen individuellen Wünschen, die von Gott erkannt und so gelenkt wurden, dass sie sich in karmisch gerechter Weise auswirkten. Gott ist daher nicht der Verursacher des Leides, sondern der in allen Lebewesen und allen Dingen weilende unsichtbare innere Lenker (in Sanskrit «Antaryami» oder «Paramatma» genannt), der bewirkt, dass sich alles entsprechend dem universalen Prinzip der Gerechtigkeit innerhalb des individuellen "Karma-Konto-Standes" auswirken kann. Daher bleibt die individuelle Freiheit und Verantwortlichkeit für das Handeln der Täter bestehen.
Ein wirklicher Gehilfe würde keine Reaktionen für sein Tun erhalten. Im vedischen Karma-Verständnis gibt es jedoch keine solchen Erfüllungsgehilfen und auch kein entsprechendes philosophisches Konzept, dass solche Verbrecher von ihrer Schuld freisprechen würde. Jedes verkörperte Lebewesen - sei es ein sadistischer Nazi oder sonst was - ist immer voll und ganz für sein eigenes grausames Tun verantwortlich und wird daher auch entsprechend diesem Tun irgendwann die Früchte in Form ähnlichen Leides ernten müssen (nicht ähnlicher Umstände; die können sehr stark varieren).

Jemand, der einem anderen etwas antut, hat den inneren Wunsch, dies zu tun, etwas zu besitzen oder zu erlangen, und die Bereitschaft, dafür zu tun, was er dann letztlich auch tut. Gott nimmt keinen Einfluss auf den Wunsch und die Bereitschaft des Lebewesens. Er nimmt nur darauf Einfluss, dass sich Wunsch und Bereitschaft im richtigen Moment, in der richtigen Situation, bei den richtigen Mit-Lebewesen auswirken können.
In diesem Sinne ist jedes Lebewesen Werkzeug oder Erfüllungsgehilfe, obwohl es gleichzeitig jederzeit volle Willensfreiheit hat (und zu jedem Zeitpunkt die eigene innere Haltung und die damit zusammenhängende Handlungsweise ändern kann) und demensprechend auch die Verantwortung für seine Handlungen übernehmen muss.

Stellt das Karmaverständnis den Massenmord an Juden als unvermeidlich dar? Auf die spezifischen Atmas, die in diesem Moment als Juden verkörpert waren, musste das früher verursachte Leid zurückfallen. So gesehen, war es unvermeidlich. Jedoch nicht in dem Sinne, dass dies in einer bestimmten Form zu geschehen hatte (beispielsweise Folter und KZs mit deren Tötungsmethoden).
Der 2. Weltkrieg ist zwar beendet, doch hat das individuelle Leiden und gewaltsame Sterben nicht aufgehört. Kriege wie in Ex-Yugoslawien, Afghanistan, Irak und vielen anderen Orten zeigen: das Elend des Krieges geht weiter und es gibt ohne Unterbruch immer tausende von Seelen, die darunter leiden müssen. Doch auch ohne solche auffallenden Ereignisse, geht das Leiden weiter, individuell und meist völlig unbemerkt von der Masse der Menschen und ihren Medien. Sei es in Form von Psychoterror am Arbeitsplatz oder innerhalb der Familie, seien es Verkehrsunfälle oder andere (Natur-)Katastrophen, seien es Krankheiten oder einfach nur das Leid des Alterns.
Ebenso erhält jeder seine angenehmen Reaktionen, die sich auf ebenso unterschiedliche Weise manifestieren können.
Wie kannst du dich als anti-Nazi bezeichnen? Ich verabscheue KZs, Folterungen, Herrenrassenwahn, Rassismus etc. Es ist ja gerade die Karma- und Reinkarnationslehre der Veden (wie ich sie selbst vertrete), welche die Bruder- und Schwesternschaft aller Seelen lehrt und welche die unterschiedlichen Körperformen nur als zeitweilige “Kleidungsstücke” betrachtet.
In dieser Lehre gibt es nicht den kleinsten Raum, nicht die geringste Möglichkeit für nationalistischen oder rassistischen Gedankendreck. Zentraler Punkt dieser Lehre ist das Verständnis: "Ich bin nicht der Körper, ich bin das ewige transzendentale Selbst (Atma)".

Siehe dazu auch folgende Links:
Tata-stha-Shakti
Das unbekannte Ich
Der Sinn des Lebens von Walther Eidlitz

Nur auf der falschen Grundlage der Identifikation mit dem zeitweiligen Körper, ist es möglich, dass Nationalismus, Rassismus usw. Fuss fassen können. Daher ist das Atman-Verständnis der vedischen Karma- und Reinkarnationslehre ein ganz natürlicher Gegner von allen menschenverachtenden Ismen, welche immer auf der Identifikation mit dem Körper beruhen.
Wenn der Judenmord, also die Absicht, alle Juden zu vernichten, auch ganz einfach in die Karmalehre eingefügt wird, heisst das doch, dass die Juden als Gesamtheit in ihren “früheren Leben” irgendwelche Übeltaten vollführt haben müssen. Das will mir aber in dieser Pauschalität nicht in den Kopf. Solche Pauschalität ginge mir auch nicht in den Kopf und widerspricht ja auch den geschichtlichen Tatsachen.
Die Absicht, alle Juden zu ermorden, wird nicht in die Karma-Lehre eingefügt. Aber durch die Karma-Lehre erhalten wir eine philosophische Erklärung, welche nicht Gott indirekt als Übeltäter bezeichnet.
Karma ist etwas ganz persönliches, individuelles, das nichts mit Rassen-, Religions- oder Geschlechterzugehörigkeit usw. zu tun hat.
Karmische Reaktionen sind immer individuell und nicht spezifisch jüdisch. Das Karma-Gesetz ist weder gegen Juden, Hindus, Christen, Moslems, Schwarze, Weisse, Rote, Gelbe, Frauen, Männer usw., genausewenig wie die Schwerkraft gegen irgendjemanden wäre, nur weil ein Stein, den er hochgeworfen hat, auf seinen Kopf fällt. Das Karma-Gesetz bevorzugt auch niemanden, nur weil durch dieses Gesetz auch alle angenehmen Dinge des Lebens, all das, was wir als Glück oder Genuss bezeichnen, den verursachenden Seelen zukommt.
Karma kennt also weder Zuneigung, noch Abneigung, - es ist vollkommen wertfrei.
Auch während des Holocaust gab es auf der ganzen Welt viele wohlhabende Menschen, die dem jüdischen Glauben angehörten, und von den Greueltaten Hitlers und seiner Schergen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Doch unabhängig von solch grossen geschichtsträchtigen Ereignissen, geniessen oder erleiden alle Lebewesen - überall und zu jeder Zeit - die Folgen ihres eigenen Tuns. Dies entspricht dem eigentlichen Verständnis des Karma-Gesetzes.
Es mag vorkommen, dass von höherer Seite her, bestimmte Seelen mit ähnlichem Karma so zusammengeführt werden, dass ein Ereignis wie der Holocaust stattfinden kann, um die Menschen etwas aufzurütteln, um sie auf festgefahrene Ungerechtigkeiten unausweichlich hinzuweisen. Das hat aber nie etwas mit der Rasse oder der Religionszugehörigkeit zu tun.
Es scheint, dass solche unübersehbaren Ereignisse schon immer die Menschheit aufzurütteln versuchten. Man denke an die Greueltaten Roms gegenüber den Christen, des christlichen Europas gegenüber der indianischen Urbevölkerung Süd-, Nord- und Zentralamerikas, wo auch x-Millionen hingeschlachtet wurden, man denke an Hiroshima und Nagasaki, Vietnam, Bosnien, Jemen usw usw.
Manchmal leiden die Menschen ganz privat, ausserhalb der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und manchmal trifft es so viele auf einmal, dass die ganze Menschheit erschüttert und aufgerüttelt wird.

Doch das Karma muss man - egal in welcher Form es sichtbar wird - immer als etwas individuelles sehen, das sich nicht an die zeitweiligen Manifestationen des Körpers binden lässt.
Die Aussage, Karma sei eine Lebensschule, und deshalb gebe es nichts schlechtes, was aus einem guten Grund heraus geschehe, ist blanker Zynismus, in Anbetracht beispielsweise eines Aidskranken, eines Taubstummen, eines Kindes, das von seinem Vater missbraucht wird und eines jeden anderen, der tagtäglich unter seiner Behinderung (den Lebensumständen.etc.) zu leiden hat. Karma wird zwar als ausgleichendes Prinzip einer Lebensschule verstanden, ohne aber gleichzeitig zu behaupten, Aids sei toll und vergewaltigende Väter gehörten zum guten Ton einer Gesellschaft (sie gehören meines Erachtens lebenslang ins Gefängnis oder in eine geschlossene Anstalt).
Doch das Leid ist weder Strafe Gottes, noch ein freiwillig gewähltes Schicksal, sondern ist eine Reaktion, die mit unserem eigenen vergangenen Tun und somit mit unserer Entwicklung zu tun hat.
Ein leidvoller Umstand wird im vedischen Karmaverständnis nicht einfach als isolierter Punkt, sondern als Punkt in einer Linie verstanden. Daraus leitet sich die Einstellung zur Situation ab: Auseinandersetzung mit der Situation und nicht Schuldzuweisung an Gott, den Zufall oder die böse Umwelt etc.
Das Leid, das mir widerfährt, hat also in irgendeiner Form mit mir persönlich zu tun, ist etwas, das mir «zu-fällt» (weil es von mir verursacht wurde) und mit meiner Entwicklung der Sinnfindung - in einer Linie meiner persönlichen Handlungen und Wünsche - zusammenhängt.
Aus diesem Verständnis heraus kann man sich darin üben, jede Situation als Teil (Folge und Fortsetzung) des eigenen Weges durch die materielle Welt zu sehen und nicht als willkürliches, sinnloses oder zufälliges Ereignis.
Welchen Nutzen soll die sogenannte Lebensschule beispielsweise für ein vierjähriges Kind haben, das in Somalia an Durchfall verreckt? Jede Erfahrung hat einen Einfluss auf die Person, unabhängig davon, ob diese Erfahrung noch in derselben Verkörperung eine Fortsetzung findet, oder erst in einer nächsten Geburt. So wie viele Erfahrungen dieses Lebens - an die man sich konkret gar nicht mehr erinnern kann - dazu beitrugen, zu der Persönlichkeit zu werden, die man in der Gegenwart ist, genauso ist es mit Erfahrungen, welche das Lebewesen von einem Körper zum anderen mitnimmt.
In diesem Beispiel ist erst dann keine Lernmöglichkeit und kein Sinn mehr zu erkennen, wenn es getrennt von der Reinkarnation betrachtet wird, wenn man das Selbst mit dem Körper gleichsetzt.

Der Lernprozess oder die Lernmöglichkeit ist übrigens auch nicht allein auf die Person beschränkt, die unmittelbar betroffen ist. Jede Person, welche direkt oder indirekt eine bestimmte Situation wahrnehmen kann, hat die potentielle Möglichkeit zu lernen - oft sogar leichter als der unmittelbar Betroffene, welcher meist erst später in einer Retrospektive profitiert.
Auf das obige Beispiel bezogen, kann der Impuls aus dem miterlebten Leid beispielweise dahin gehen: sich in jeder möglichen Weise um Menschen zu kümmern, die Hilfe benötigen und sich gegenüber ihrem Leid nicht gleichgültig zu verhalten.

Was ist, wenn ich nachträglich bemerke, dass ich falsch handelte? Kann ich das wieder gut machen oder gibt es da die Gnade Gottes? Die Karmalehre vergleicht eine Tat damit, einen Samen zu setzen. Der Same benötigt eine gewisse Zeit, um zur Pflanze heranzuwachsen und wird auf der letzten Stufe eine Frucht (Reaktion) hervorbringen, die geerntet werden muss. Es wird erklärt, dass der Mensch grundsätzlich die Samen, die bereits zur Frucht herangereift sind, auch essen muss. Es sind dies die Früchte, welche zu unserem gegenwärtigen Körper geführt haben. Unser gegenwärtiges Tun kann jedoch auf die bereits gesäten Samen und die heranwachsenden Pflanzen Einfluss nehmen.

Die Veden empfehlen den Menschen «Yajñas», Opfer, auszuführen. Diese Opfer sind von unterschiedlicher Art und Qualität. Solche Opfer können mitunter auch kostspielig sein und daher sind in unserem Zeitalter die meisten nicht sehr praktikabel und werden daher auch nicht empfohlen, ja, oft sogar untersagt. Es gibt jedoch ein Opfer, das besonders für unsere gegenwärtige Zeit bestimmt ist:

yajñaih sankirtana-prayair yajanti hi sumedhasah

«[Im gegenwärtigen Zeitalter des Kali] führt der intelligente Mensch alle Yajñas aus, indem er einfach den Namen Gottes singt und über ihn meditiert.» (Bhagavat Purana 11.5.32)

In der heutigen Zeit ist es fast unmöglich alle notwendigen Bestandteile für die vielen in früheren Zeitaltern empfohlenen Yajñas zu beschaffen. Doch der einfache und zugleich erhabene Vorgang des Singens und Meditierens über den heiligen Namen Gottes, spendet den höchsten transzendentalen Nutzen. (Siehe dazu auch das 7. Kapitel im Buch «Gaurangas Bhakti-Lehre»)
Das Bhagavat-Purana (2.3.10) empfiehlt jedem, gleichgültig ob er voller materieller Wünsche ist oder ob er keine materiellen Wünsche hat, durch den Vorgang des Bhakti-yoga (bei dem der Hari-Nama-Sankirtana-Yajña eine zentrale Rolle spielt) das höchste Ganze zu verehren.




Diese Seite wird entsprechend aufkommender Fragen laufend ergänzt.



Mehr zum Thema Karma - besonders in Verbindung zur christlichen Lehre - findet sich im Buch
«Gott und Seele».

Karma and Reincarnation in Judaism FAQ by Rabby Yonassan Gershom