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Im Rausch der Zeit - mit Krishna-Bewußtsein gegen Drogen und Versklavung

Ein Beitrag zur Pfauenfeder - von Gaurahari


Liebe Freunde
Dandavat pranams. Sri Sri Guru Gauranga Jayatah!

Ich möchte heute über eine ganz besondere Droge sprechen, welche unter verschiedenen Namen bekannt ist. Obschon allen mehr oder weniger bekannt, wird ihre destruktive Wirkung meist gar nicht richtig wahrgenommen. Doch beginnen will ich woanders, beim "Sinn des Lebens".

Liebe
Einfach formliert, liegt der Sinn des Lebens darin, Gott und alle anderen Wesen (Atmas) zu lieben. «Wirklich einfach gesagt», wird mancher denken und dabei die vielen Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen – selbst unter Vaisnavas – vor Augen haben. Doch was ist eigentlich die Grundlage spirituell fundierter Liebe?

Die Erkenntnis des eigenen Selbst
«Aham brahmasmi», ich bin Brahman, reine spirituelle Seele, keine Materie. Srila Prabhupada schreibt, «dass man nach der Brahman-Erkenntnis, wenn man von materiellen Ängsten befreit ist und jedes Lebewesen auf einer gleichen Ebene sieht, geeignet ist, in den hingebungsvollen Dienst einzutreten» (1). Diese Feststellung wird von der BG 18.54 bestätigt. Die Verwirklichung des Brahman ist gewissermassen der Boden für den reinen hingebungsvollen Dienst.
Bei vielen Aussagen zur Brahman-Erkenntnis fällt der Hinweis auf, dass man alle Lebewesen auf der gleichen Ebene sieht.
Ein Bewusstsein für die eigene spirituelle Identität zu entwickeln, ist folglich eine zwingende Voraussetzung, um allen Lebewesen in einer liebevollen Haltung zu begegnen. Wenn ich mir darüber bewusst bin, ein spiritueller Funke Gottes zu sein, dann kann ich andere Lebewesen ebenfalls nur in ihrer spirituellen Identität als winzige Emanationen Sri Krishnas sehen. Diese Erkenntnis und Bewusstheit der qualitativen Einheit in der Vielfalt von Krishnas Schöpfung hat einen äusserst besänftigenden Einfluss auf den Verstand, der darin geübt ist, nicht Einheit, sondern Unterschiedlichkeit zu erkennen (es neutralisiert folglich die Droge).
Unter dem Einfluss der Materie, bzw. durch die falsche Identifikation mit Materie, neigen wir immer wieder dazu, uns mit anderen zu vergleichen. Es liegt in diesem Prozess eine für den Verstand ganz selbstverständliche Schlussfolgerung auf der Hand: «Wir sind die Besten im Land», trotz ein paar "geringer Mängel", die wir uns manchmal zugestehen.

Im Rausch einer gefährlichen Droge
Der Rausch dieser Droge kennt viele Namen: Hochmut, Dünkel, Überheblichkeit usw. Und was sind die Folgen? Grundsätzlicher Mangel an Mitgefühl und Liebe, Rassismus, Ausbeutung anderer Lebewesen, Gewalt, Auserwähltheitswahn und vieles mehr. (Ich, mein Wissen und meine Ansichten, meine Familie, mein Land, meine Religion usw. sind etwas besonderes, das von allen anderen auch ganz besonders respektiert und geachtet werden muss. Und wehe all denen, die mir oder uns im Wege stehen....)
Wann immer wir denken, wir seien aus irgendwelchen Gründen besser als andere, sollten bei uns die inneren Alarmglocken läuten: «Achtung – ich habe meine Identität vergessen! Ich bin Brahman, spirituelle Seele und alle anderen sind haargenau dasselbe wie ich, OHNE den geringsten Unterschied.»
Das gefährliche an dieser Droge ist: man muss sie gar nicht bewusst konsumieren. Sie befindet sich bereits in unseren Hüllen und weil wir uns gewissermassen an diesen Dauerrausch gewöhnt haben, finden wir diesen bedauernswerten Zustand als «normal».
Dieser Rausch, welcher die Vaisnavas sowohl individuell als auch in der Gestalt der verschiedenen Vaisnava-Familien voneinander trennt, wirkt sich ebenfalls auf unser Denken und Fühlen gegenüber den Menschen im allgemeinen aus. Aufgrund der unangebrachten Wichtigkeit, die wir uns und allem zuordnen, was mit uns in Verbindung steht, fällt es uns unglaublich schwer, den unausgesprochenen Vollkommenheitsanspruch an andere aufzugeben.

Gibt es eine Lösung?
Die Lösung liegt in jedem von uns selbst. Es liegt an uns, uns selbst unsere wirkliche Identität immer wieder beharrlich bewusst zu machen und in diesem Bewusstsein unseren individuellen liebevollen Dienst und unsere Beziehungen zu allen Lebewesen um uns herum zu gestalten. Es ist einfach zu sagen, ich liebe alle Menschen (vor allem die, welche weit weg leben). Doch mit jenen Menschen, die uns nahe sind und uns regelmässig begegnen, können wir unsere Fähigkeit zu lieben, zu vergeben und nochmals zu lieben üben (selbst wenn die andere Person in ihrem Rausch verharren will).
Und man soll sich ruhig darüber bewusst sein, ich und jeder andere sind individuelle, vollkommene Teile Krishnas. Das Unvollkommene liegt in den Hüllen, die nichts mit unserer ewigen Identität zu tun haben. Man darf sich zwar der eigenen Mängel (bedingt durch die Hüllen) sehr wohl bewusst sein, aber man sollte sich dadurch nicht in seinem Enthusiasmus behindern lassen, die eigene Identität und die natürliche wesensgemässe Liebesbeziehung zu Gott zu verwirklichen. In der spirituellen Welt gibt es keine Unvollkommenheit und wir sind unserem Wesen gemäss Bürger der spirituellen Welt.

Diese ständige Vergegenwärtigung unserer spirituellen Identität und ihrer natürlichen Beziehungen – in unser tägliches Krishna-bewusst-sein integriert – hätte die Kraft, viele zwischenmenschliche Probleme zu lösen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Alles Liebe
Gaurahari d.


1) Nektar Der Hingabe, Seite 35